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Die Zukunft der kleinen Ligen: Wächst der Abstand auf Europas Spitzenclubs?

Trotz ihres bedeutenden Stellenwerts im nationalen Sportgeschehen kämpft die österreichische Fußball-Bundesliga um mehr Anerkennung auf internationaler Ebene. Mit Blick auf die europäischen Pendants wie der englischen Premier League, der spanischen La Liga oder der deutschen Bundesliga führt die heimische Liga in Österreich eine Art Schattendasein – es fehlt ihr an Strahlkraft und globaler Aufmerksamkeit. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von begrenzten finanziellen Ressourcen über fehlende Infrastruktur bis hin zum Mangel an internationalen Stars.

Fest steht, dass die Welt des Fußballs immer internationaler wird. Kein Wunder also, dass auch der internationale Vergleich zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dementsprechend muss auch die österreichische Fußball-Liga ihre Position behaupten und sicherstellen, dass der Abstand zu den größeren Ligen und Clubs nicht noch größer wird. 

Mit Blick auf die Zukunft der österreichischen Fußball-Bundesliga im internationalen Vergleich gibt es sowohl Anzeichen zur Hoffnung als auch zur Sorge.

Die Position der österreichischen Bundesliga im europäischen Fußball

Als wichtiger Indikator für die Stärke und Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Ligen im europäischen Vergleich gilt die UEFA-Fünfjahreswertung. Lag die österreichische Liga im vergangenen Jahr noch auf Platz 10, endete man nun auf Platz 13. Eine höhere Platzierung in dieser Wertung würde dazu führen, dass mehr Teams aus Österreich an den europäischen Wettbewerben teilnehmen dürften, woraus voraussichtlich auch eine erhöhte Sichtbarkeit und Reputation der Liga auf internationaler Ebene folgen würde.

Doch die jüngsten Daten der UEFA-Fünfjahreswertung zeigen, dass Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Top-Ligen an Boden verloren hat. Dass auch österreichische Teams durchaus auch beachtliche Erfolge auf internationaler Ebene erzielen können, zeigte RB Salzburg mit dem Einzug ins Halbfinale der Europa League in der Saison 2019/2020 oder mit dem Achtelfinal-Einzug in der Champions League 2020/2021. 

In der aktuellen Saison stellte der SK Sturm Graz den einzigen Club aus Österreich dar, der international überwintern konnte. Ein deutliches Zeichen für die begrenzte Präsenz österreichischer Mannschaften in den europäischen Wettbewerben. Selbst die Hoffnungen auf Serienmeister RB Salzburg blieben in dieser Spielzeit unerfüllt. So ist die Gesamtbilanz der österreichischen Klubs im internationalen Vergleich aktuell enttäuschend.

Österreichs Bundesliga im Vergleich zu den Top-Ligen aus Deutschland, England, Spanien und Co.

Gerade der Vergleich zwischen der österreichischen Bundesliga und der deutschen Bundesliga ist ein häufig diskutiertes Thema. Der Qualitätsunterschied wurde in dieser Spielzeit einmal mehr unter Beweis gestellt. Im Gegensatz zum enttäuschenden Saisonverlauf aus Sicht der österreichischen Vertreter im internationalen Geschäft ist die deutsche Bundesliga mit Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen sowohl im Finale der UEFA-Champions-League als auch im Endspiel der UEFA-Europa-League vertreten.  

Um im Vergleich zu den Top-Ligen nicht weiter an Boden zu verlieren, braucht die österreichische Bundesliga mehr Vereine, die konstant auf internationaler Ebene erfolgreich spielen. Einfacher wird es zunächst jedoch nicht. 

Aktuell verfügt Österreich zumindest noch über einen festen Startplatz in der UEFA-Champions-League, im Gegensatz zu den Top-Ligen, die über vier solcher Plätze verfügen. Aufgrund des schlechten internationalen Abschneidens und dem Abrutschen auf Rang 13 der UEFA-Fünfjahreswertung verliert Österreich in der übernächsten Saison jedoch den fixen Startplatz zur UEFA-Champions-League. Ein Rückschlag, der eine potenzielle Aufholjagd zu den internationalen Top-Ligen zusätzlich erschweren wird.

Gründe für die aktuell herausfordernde Lage der österreichischen Bundesliga

Natürlich stellen die mangelnden finanziellen Ressourcen der österreichischen Bundesliga-Teams einen wesentlichen Grund dar, warum die Liga Schwierigkeiten hat, mit anderen internationalen Top-Ligen mitzuhalten. Im Vergleich zu den finanziellen Möglichkeiten der absoluten Spitzenligen in Europa verfügt die österreichische Liga nur über begrenzte Mittel, was es den Vereinen erschwert, talentierte Spieler zu verpflichten und ihre Infrastruktur weiterzuentwickeln. 

Insbesondere die Diskrepanz bei den TV-Rechten ist hierbei offensichtlich: Während die englische Premier League über gigantische Einnahmen von über fünf Milliarden Euro verfügt, erhält die österreichische Bundesliga mit 20 Millionen Euro lediglich einen Bruchteil dieser Summe. Die finanzielle Kluft hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Liga im europäischen Maßstab. 

Neben den finanziellen Ressourcen tragen auch andere Faktoren dazu bei, dass die österreichische Fußball-Bundesliga zunehmend an Boden gegenüber den Top-Ligen verliert. Ein entscheidender Aspekt ist das Fehlen international bekannter Stars innerhalb der Liga, die wiederum für noch mehr mediales Interesse und damit verbundene Reichweite für Sponsoring-Partner sorgen könnten. 

Talente verlassen Österreich eher

Obwohl die Liga sich einen guten Ruf als Ausbildungsliga erarbeitet hat, verlassen viele vielversprechende Talente die höchste Spielklasse im österreichischen Fußball, sobald sich ihnen die Möglichkeit bietet, in größeren Ligen zu spielen. Der Mangel an internationaler Sichtbarkeit und finanziellen Ressourcen innerhalb Österreichs führt dazu, dass Talente frühzeitig ins Ausland wechseln.

Nicht zuletzt ist die fehlende oder oft wenig moderne Infrastruktur einiger Vereine der österreichischen Fußball-Bundesliga, die natürlich auch durch die fehlenden finanziellen Mittel bedingt ist, zu nennen. Viele Stadien entsprechen nicht den modernen Standards, und die Infrastruktur sowie die Einrichtungen sind zum Teil veraltet und nicht auf dem Niveau anderer europäischer Top-Ligen. Dies kann sowohl für Spieler als auch für Fans unattraktiv sein und beeinträchtigt die Attraktivität der Liga insgesamt. 

Trotz Herausforderungen auf dem Weg in eine vielversprechende Zukunft?

Abseits der vielen Herausforderungen kann die österreichische Bundesliga auf eine vielversprechende Zukunft hoffen, insbesondere aufgrund ihres guten Rufs als Ausbildungsliga. Im Laufe der Jahre haben die österreichischen Clubs eine Vielzahl talentierter Spieler hervorgebracht, die daraufhin in führenden europäischen Wettbewerben und auf der Weltbühne erfolgreich waren. Der gute Ruf als Ausbildungsliga wird auch in Zukunft Top-Talente aus aller Welt anlocken, was der Qualität der Liga nur guttun kann.

Ebenfalls positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Liga im internationalen Vergleich auswirken kann sich der Trend, dass die österreichischen Klubs zunehmend auf Legionäre setzen. Die Einführung des Österreicher-Topfes im Jahr 2004/05, der Clubs belohnte, die weniger als sieben Legionäre und mehr U22-Spieler einsetzten, führte zunächst zu mehr Spielminuten aus Österreich stammende Spieler. 

Allerdings verzichten mittlerweile viele Clubs auf finanzielle Anreize aus dem Ö-Topf. Gründe hierfür sind unter anderem die bessere Auswahl und das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Legionären sowie die erleichterte Kaderplanung. Gerade Serienmeister Salzburg und das jüngst sehr erfolgreiche Team von Sturm Graz zeigen, dass man auch ohne das Geld aus dem Ö-Topf sportlich sowie finanziell erfolgreich sein kann. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass die Top-Ligen besonders gerne auf Legionäre setzen. 

Ein weiterer Hoffnungsschimmer für die österreichische Bundesliga ist der engere Titelkampf in dieser Saison. Ganz nach dem Motto: Konkurrenz belebt das Geschäft. Von einem intensiveren Wettbewerb um den Meistertitel profitiert das Leistungsniveau der gesamten Liga. So könnte Österreichs Bundesliga den Abstand auf die Top-Ligen Europas zukünftig wieder verringern.

 

 

Quelle: https://unsplash.com/de/fotos/JP0qiWQzjrg

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