Trainerkarussell beim WAC

Warum wechselt der Verein so oft den Coach?

Der Wolfsberger AC hat in den vergangenen Jahrzehnten im österreichischen Fußball einen erstaunlichen Aufstieg hingelegt. Während sich der Klub immer fester in der Bundesliga verankerte, fehlte jedoch eine Konstante. Diese ist meistens für die Etablierung eines Klubs verantwortlich, jedoch nicht beim WAC. Kaum ein anderer Klub im obersten Leistungssegment des heimischen Fußballs hat so oft den Trainer gewechselt wie das Wolfsrudel. Das ist erstaunlich und wirft Fragen auf.

Auftakt gegen die Veilchen

Für den WAC beginnt die neue Saison der Österreichischen Fußball-Bundesliga am 2. August 2026 mit dem Heimspiel gegen Austria Wien. Der Tabellenvierte des Vorjahres gilt im Auftaktspiel als leichter Favorit der Buchmacher. Die Online Plattformen mit guten Auszahlungsquoten machen sich schon jetzt breit auf die Zeit nach der Fußball-Weltmeisterschaft, wenn der „Fußball-Alltag“ in den jeweiligen Ligen wieder das sportliche Geschehen bestimmt.

Am breiten Angebot wird sich in Österreich vorerst nichts ändern, schließlich bleiben Sportwetten in Österreich weiterhin ein gewerbliches Angebot und kein Glücksspiel. Daran wird die Reform des heimischen Glücksspielgesetzes nichts ändern. Für die WAC bedeutet das, dass er auch weiterhin bei den Buchmachern eine große Rolle spielen wird. Schließlich schwankt der Klub seit Langem zwischen Stabilität und Unruhe.

Können die Trainer die Ansprüche des Klubs nicht erfüllen?

Diese wurde in der Vergangenheit oft durch die regelmäßigen Wechsel an der Spitze des Trainerteams ausgelöst. Dabei fehlen dafür theoretisch die Voraussetzungen. Immerhin handelt es sich beim WAC um einen solide geführten Verein. Dieser kann auf klare finanzielle Rahmenbedingungen verweisen. Der sportliche Erfolg hat sich in den vergangenen Jahren regelmäßig eingestellt, zumeist befindet sich der Klub am Ende der Saison im Mittelfeld der Tabelle wieder.

Damit würden die Voraussetzungen für regelmäßige Trainerwechsel fehlen. Doch möglicherweise zerreißt es die Spielleiter im Spannungsfeld zwischen Realität und Anspruch. Schließlich möchte der Klub seine Position im österreichischen Fußball verbessern und strebt nach mehr. Der Wunsch, in der Liga bessere Ergebnisse zu erreichen und international mitzumischen, könnte mit ausschlaggebend dafür sein, dass der WAC allein in den vergangenen fünf Jahren unglaubliche sieben Trainer verbraucht hat.

Stabile Ergebnisse

Trotz dieses Trainerkarussells erwies sich der Klub jedoch als ausgesprochen stabil, was die Ergebnisse in der Liga betrifft. Der hohe Erwartungsdruck sorgte in der Vergangenheit jedenfalls dafür, dass die Verantwortlichen schnell reagierten und ein Trainerkarussell in Gang setzten, das bisher nicht an Schwung verloren hat. Mit starken Saisonen und der Teilnahme am Europacup sind die Erwartungen von der Vereinsführung und der Fans jedenfalls gestiegen. Das konnte nicht jeder Trainer verkraften.

Jene Trainer, die den WAC übernehmen, sind durch den hohen Erwartungsdruck jedenfalls massiv gefordert. Sie sollen einerseits die Mannschaft formen, andererseits möglichst schnell Ergebnisse liefern. Diese Doppelbelastung hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass der Mann an der Spitze oft gewechselt hat.

Daher musste sich der Verein in den vergangenen Jahren oft auf schnelle Ergebnisse konzentrieren. Darunter litt die langfristige Aufbauarbeit. Entsteht dadurch eine sportliche Krise, wechselt auch der Trainer. Angesichts dieser Entwicklung ist es umso erstaunlicher, dass diese Krisen-Feuerwehr zumeist funktioniert hat.

Permanente Umbruchphase

Neue Verantwortliche lieferten neue Impulse. Diese zeigten sich in der taktischen Ausrichtung ebenso wie in veränderten Trainingsmethoden. Doch sobald diese Effekte nachließen, kam ein neuer Spielleiter zum Zug. Für die Spieler sind diese immer neuen Spielphilosophien eine besondere Herausforderung. Schließlich setzt ein neuer Trainer zumeist auf eigene Ideen.

Diese finden in der Defensive ebenso ihren Niederschlag, wie im Umschaltspiel oder beim Pressing. Angesichts der hohen Fluktuation ist es daher kein Wunder, dass sich das Gesicht des WAC ebenfalls regelmäßig ändert. Dass dieses rasante Wechselspiel funktioniert, liegt auch an der hohen Anpassungsfähigkeit der Mannschaft.

Die regelmäßige Veränderung des Kaders erleichterte den Trainern in der Vergangenheit allerdings die jeweilige Umstellung. Damit befindet sich der WAC gewissermaßen permanent im Umbruch. Neue Spieler müssen in die Mannschaft ebenso integriert werden, wie neue taktische Systeme erlernt und perfektioniert werden. Die Zeit, ihre Vorstellungen durchzusetzen, hatten die Trainer in der Vergangenheit zumeist nicht. Daher ist der WAC mittlerweile für seinen Trainer-Schleudersitz berühmt geworden.

Doch was bei jedem anderen Fußballklub wahrscheinlich eine Dauerkrise auslösen würde, scheint beim WAC zu funktionieren. So hat der Verein in den vergangenen 10 Jahren 13 Trainer verbraucht. Das Trainerkarussell wurde also nicht aus der Not heraus geboren, sondern hat System. Die Gründe dafür waren in der Vergangenheit unterschiedlich. Sie reichten von sportlichen Krisen über unterschiedliche Vorstellungen zwischen Vereinsleitung und Trainer bis hin zur fehlenden sportlichen Entwicklung der Mannschaft.

Was müsste man ändern?

Um aus diesem Muster auszubrechen, müsste der WAC seine strategische Ausrichtung überdenken. Gibt man einem Trainer mehr Zeit, kann er diese nutzen, um den Verein sportlich längerfristig auszurichten. Das bedeutet auch, einen Schwerpunkt auf die Integration des Nachwuchses zu legen und Spieler zu entwickeln.

Damit würde ein stabileres Umfeld entstehen, in dem sich Spieler nachhaltiger entwickeln könnten. In der Folge würde an der sportlichen Spitze mehr Ruhe einkehren, der gesamte Verein könnte so seinen Weg in die Zukunft finden.

 

Quelle: Pixabay.com

17/07/2026 18:30
Lavanttal Arena